Vereinsnachrichten

 Februar 2021/Text

 

 

                                L I E B E
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    In der Ortschaft Gulfport in Florida, ist an einem Sonntag
    im Alter von 92 Jahren, Frau Agnes von Kurowsky Stanfield
    gestorben. Nicht viel ist von ihr bekannt. Sie war die Tochter
    eines in die USA eingewanderten, ehemaligen preußischen
    Offiziers polnischer Herkunft.
    Gegen Ende des 1. Weltkrieges arbeitete sie als
    Krankenschwester in Norditalien, Rumänien und Haiti.
    1934 heiratete sie William G. Stanfield.
    Während des 2. Weltkrieges war sie beim
      Roten Kreuz in New York tätig.
    Mehr wissen wir über diese Dame nicht – es sei denn,
    dass sie sich im Herbst 1918 im  Lazarett in Mailand
    in einen schwerverwundeten Amerikaner verliebte,
    einen kaum 19 Jahre alten Burschen aus Oak Park
    bei Chicago.
    Es war nur eine kurze Romanze, und sie endet
    wie Liebesgeschichten auf Erden zu enden pflegen:traurig.
    Der Junge kehrte im Januar 1919 nach Amerika zurück,
    sie blieb alleine in Europa zurück.
    Aber er hat sie nie vergessen, die Krankenschwester Agnes
    Und als er, Ernest Hemingway, knapp zehn Jahre später,
   den Roman – A Farewell to Arms – „ In einem anderen Land“
   schrieb, da wurde sie zum Vorbild der englischen Rotkreuz-
   schwester Catherine Berkley, jener Frau, an deren Seite
   der Leutnant Frederic Henry, der jugendliche Held dieses
   Romans, einige glückliche Wochen verlebte.
   Wir wissen mit Sicherheit – ohne Agnes von Kurowsky
  hätte es Catherine Barkley nie gegeben.

  So ist es richtig, dass die Nachricht vom Tod der alten Dame
  nunmehr alle zivilisierten Länder der Welt erreicht.
  Auch das ist ein Triumph der Literatur.

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